Liquid Datenschutz

mal so ein paar Gedanken die mich als Pirat doch momentan schwer beschäftigen.

  • Warum beschäftigen wir uns mit uns selber statt diese gottverdammten 50000 Unterschriften zu 108e zu sammeln?
  • Wie lange wird es dauern, bis das über das transparente Liquid Feedback preisgegebene politische Verhalten in solche Payback-Datenbanken integriert wird – zum Beispiel auch um geziehlte Wahlwerbung zu machen oder anbieten zu können. Wie wäre es mit einem Themenrating: Person X ist interessiert an Datenschutz: Wert 9 -> Datenschutzflyer hinschicken. Wie wollen wir Piraten bestehen, wenn man uns geziehlt bewerben kann, wir aber die andren nicht?
  • Wann den Piraten Datenschutz wieder so wichtig ist, wie es als Kernthema verankert wurde. Wir können doch nicht gegen Facebook protestieren und selber Portale aufbaun, die keinerlei Datenschutz bieten – oder? Wie flüssig ist denn bitte unser Verständnis von Datenschutz?
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5 Antworten zu Liquid Datenschutz

  1. ka4015 schreibt:

    achso als Ergänzung:

    Der vorgesehene Datenbank-Dumb für jederman macht es natürlich viel einfacher Leute einzuordnen. Wenn jemand Screenshots in die Welt der Torrents abkippt wird das keine Agentur auswerten…

  2. etz_B schreibt:

    zu Frage 1: Weil es offensichtlich einen Bedarf gibt, darüber zu diskutieren. Und weil Liquid Democracy (und das Meinungsbildungstool Liquid Feedback) eine Innovation für die Parteistruktur darstellt, die intensiver Diskussion wert ist. (BTW: Natürlich bindet eine solche Diskussion Ressourcen, die man auch für tagesaktuelle Aktionen einsetzen könnte. Fragt sich nur, was langfristig sinnvoller ist. Aber das entscheidet jeder für sich.)

    zu Frage 2: Diese Debatte zeigt auf, dass es längst illusorisch ist, anzunehmen, man könne Informationen, die einmal im Netz sind, tatsächlich wieder daraus entfernen. mit anderen Worten: Um ein Vagabundieren von Daten zu verhindern, ist die Datensparsamkeit das fast einzige Instrument. Für eine transparente netzbezogene Form der Meinungsbildung ergibt sich daraus ein Interessenkonflikt. Den kann man aber nicht dadurch lösen, dass man intransparente Hinterzimmerklüngeleien mit „Basta!-Demokraten“ als Wortführern an die Stelle transparenter Entscheidungsvorbereitung setzt. Es ist im übrigen die Entscheidung jedes einzelnen, wie stark er sich über Liquid Feedback öffentlich zu erkennen gibt. Für die Teilnahme reicht ein (öffentlicher) Nick und die Beteiligung an den Abstimmungen. Das so entstehende „Profil“ lässt für sich genommen keine Rückschlüsse auf die Person hinter dem Nick zu. Die einzelnen Schritte aus der Pseudonymität trifft jeder für sich. Dazu gehören im einzelnen: das Einstellen von Initiativen oder Anregungen, das Delegieren der eigenen Stimme (mit der Bandbreite von einzelnen Themen bis hin zur Globaldelegation), die Diskussion über Initiativen außerhalb von LF. Dass jeder dieser Schritte die Pseudonymität durchlöchert, sollte im Grundsatz klar sein und beschreibt in der Praxis den gesellschaftlichen Lernprozess, den wir gerade durchlaufen.

    zu Frage 3: Die größte Gefahr für den Datenschutz besteht in dem Vorspiegeln von Daten-Schutz, der nicht effektiv ist. Dass wir längst in einer Situation leben, wo beliebige frühere Äußerungen jederzeit ausgegraben und für aktuelle Zwecke instrumentalisiert werden können, zeigt sich jeden Tag. Daraus sollten wir die Forderung ableiten, zum einen die Datensparsamkeit zu realisieren und zum anderen den Umgang mit solchen Daten zu enthysterisieren. Ganz im Sinne des Preußen-Fritz: „Niedriger hängen“ (für Bayern zur Erläuterung: Dieser Spruch ist als Äußerung Friedrichs II. kolportiert, als er irgendwo ein ihn kritisierendes Plakat vorfand).

  3. etz_B schreibt:

    Auch von mir noch ein Nachtrag: Die Zuordnung von Initiativen, Anregungen und Abstimmungsverhalten zu dem jeweiligen Nick sind nur für die übrigen Teilnehmer möglich. Die „allgemeine Öffentlichkeit“ kann das nicht sehen, nicht herunterladen und kommt auch sonst nicht dran – siehe: https://lqpp.de/be/

  4. ka4015 schreibt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, sollte doch auf das Abstimmungsverhalten „transparent“ auch nach außen sein.

    Und dann mach ich mir doch meine Sortier-Menschen-nach-politischer-Einstellung Datenbank…

    Nein noch viel schlimmer: Ich mach ne Agentur auf, wo Arbeitgeber die politische Einstellung ihrer AN durchsuchen können.

    Und ich denke, wenn ich 2 personen in der Piratenpartei mein Pseudonym in dem LQFB-Portal nenne, dann weiß es auch die ganze Welt. Und pseudonyme stehen oft in ziemlich direkten zusammenhang zu einer Person. Ergo: Einfach mal schaun ob man die Pseudonyme noch woanders findet.

    Das Problem ist ja wie gesagt nicht das im Internet Informationen sind, sondern dass man diese Informationen ziemlich einfach maschinell vernetzen kann, wodurch ein gläserner Bürger entsteht…

    Und was man gegen die Vernetzung tun kann: Kein Datenbankdump, alles Maschienenunfreundlich gestalten, Texte in Grafiken, …

  5. etz_B schreibt:

    Das ist eine Entscheidung, die Du selbst treffen musst. Will ich Einfluss nehmen, dann gehe ich in die Öffentlichkeit und bin in von mir zu bestimmenden Abstufungen auch identifizierbar oder will ich das nicht. Das galt im übrigen immer schon. Du kannst nicht gleichermaßen Einfluss haben wollen und nicht in der Öffentlichkeit sichtbar sein.

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