Liquid Datenschutz – Der Bock „comodore“ als Gärtner

Ich hab mir grade das Protokoll der Bundesvorstandssitzung angeschaut…

Bislang dachte ich, dass Piraten wirklich für Datenschutz ständen… Aber ähnlich wie die Grünen, die 2 Kriegen trotz totaler Antikriegshaltung zustimmten, hat unser Vorstand entschieden comodore schmidtlepp gemeinsam mit unserm Datenschutzbeauftragten mit dem prüfen der Datenschutzbedenken zu beauftragen.

Das Problem dabei ist, dass Comodore so sehr FÜR dieses Liquid Feedback eintritt, dass ich nicht drumherumkomme, ihm eine gewisse, zum Teil auch ideologische Blindheit nachzusagen. Nur dann wenn die größten Kritiker ein Konzept oder seine Umsetzung loben, kann man davon ausgehen, dass alles stimmt.

Wenn wir Piraten, beziehungsweise unser frisch gewählter BuVo es so ernst nähme mit dem Datenschutz und da sich Comodore eh so sicher ist, dass sich nichts fehlt, wäre es doch kein Problem gewesen, einen derer rauszupicken, die am lautesten nach Datenschutz schrein, damit der / die dann mit dem Datenschutzbeauftragten das System prüft.

Abgesehen davon, ist mir eine supertolle Mail in die Hände gefallen, aus der ich gerne mal zitieren möchte, da die mir wirklich aus der Seele spricht:

[…]

In diesem Zusammenhang wäre es interessant:

– Wieviele Invite-Codes wurden verschickt
– Wieviele davon führten zur Anmeldung
– Wieviele davon loggten sich überhaupt ein weiteres Mal ein
– Wieviele davon melden sich
— mindestens einmal um Monat
— mindestens einmal die Woche
— täglich an
– Wieviele haben an Abstimmungen teilgenommmen
— einfach
— mehrfach
– Wieviele haben ein Thema eingebracht
– Wieviele haben eine Alternativinitiative eingebracht

Ich wüsste zu gerne, wer das System überhaupt benutzt? Ist das nun ein
demokratisches Werkzeug der Vielen oder ist es ein Spielzeug für ein
paar Wenige? Welche Relevanz kann, soll oder muss es haben, wenn 38
Leute von 2700 Piraten eine Entscheidung treffen? [Anmerkung: Bezieht sich auf die Abstimmung zum Nichtraucherschutz im bayr. LQFB]

Im Augenblick sieht es für mich so aus, als hätten wir das goldene Kalb
der Berliner nach Bayern gebracht und nun tanzen ein paar Jünger drum
und der Rest der bekanntermaßen etwas stoischen Bayern schert sich einen
Dreck um deren Aufregung. Täusche ich mich und erkenne den Hype nur nicht?

Grüße

[…]

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7 Antworten zu Liquid Datenschutz – Der Bock „comodore“ als Gärtner

  1. piratrxl schreibt:

    „Das Entwicklerteam von Liquid Feedback und Christopher Lauer als verantwortlichem Bundesvorstand arbeiten mit Werner Hülsmann, dem Datenschutzbeauftragten der Piratenpartei Deutschland zusammen, der hierzu eine Beurteilung abgeben wird. Aufgrund der Beurteilung des Datenschutzbeauftragten wird der Bundesvorstand einen Beschluss zur Einrichtung von LiquidFeedback fällen, der dem Mehrheitsvotum des Bundesparteitages nachkommt. Nach dem Beschluss des Bundesvorstandes werden die Invitecodes an die Mitglieder versendet werden.“

    Wo steht da, dass Christopher die Datenschutzbedenken prüft? Da steht, dass der Datenschutzbeauftragte prüft und der BuVo seine Entscheidung aufgrund seines Berichtes fällt. Ich habe Werner Hülsmann als sehr rigorosen Datenschutzvertreter kennengelernt, insofern habe ich mit dieser Lösung keinerlei Bedenken.

    • ka4015 schreibt:

      und ich habe @schmidtlepp als sehr gesprächigen, wortgewanden totschwätzer kennengelernt… Über die Argumentationskunst von unserem Datenschutzbeauftragten bin ich nicht so überzeugt.

      Es muss nicht so kommen, aber ein geringes Risiko gibt es dabei nicht.

  2. Christopher Lauer schreibt:

    Lieber Andreas,

    Deine Unterstellungen entbehren jeder Grundlage. Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, hängt einiges an meiner eigenen Glaubwürdigkeit daran, ob wir Liquid Feedback mit einem okay des Datenschutzbeauftragten der Piratenpartei Deutschland umsetzen können oder nicht. Darüber hinaus wird es darum gehen, Liquid Feedback so zu gestalten, dass individuelle Rechte, die sich aus dem Datenschutz ergeben werden berücksichtigt werden, aber die Systemintegrität nicht aufgeweicht wird. Daher habe ich selbst das größte Interesse, dass alles mit rechten Dingen zugeht und wir nicht ein Bundesliquid bekommen, dass bei der ersten Gelegenheit von innen oder von außen zerfetzt wird.

    Das ist ein Balanceakt. Ich bitte um Verständnis, wenn nicht jedes Gespräch und jeder Schritt den die Piraten die mich bei der Umsetzung eines Bundessystems unterstützen und ich geführt oder gemacht haben, direkt in die Welt hinaus posaunt wird. Es sind in der Tat einige Fragen zu klären und diese werden bestens Wissens und Gewissens geklärt.

    Bei der Ordentlichen Einführung von Liquid Feedback auf Bundesebene haben wir meiner Meinung nach aus mehreren Gründen nur einen Versuch, dieser muss halt glücken.

    Deswegen würde ich mir auch von Dir ein wenig mehr Vertrauen und Ruhe im Bezug auf Liquid Feedback.

    Gruß

    Christopher

    • ka4015 schreibt:

      Ich werde es dir nicht verbieten, dass du dein Liquid Feedback machst…

      Bloß ich merke nur an, das du wohl nicht ganz unparteiisch bist was das Liquid Feedback angeht.

      Hier jemanden, der bekanntermaßen kritisch Liquid Feedback gegenübersteht zu beauftragen, mit dem Datenschutzbeauftragten alle offenen Fragen zu klären, wär nur ein Detail, das aber extremes Vertrauen schafft… mehr sage ich hier ja nicht.

      Achso – vielleicht wärst du so freundlich und lieferst ein paar Antworten auf die Fragen aus der Mail…

  3. inkorrupt schreibt:

    @ Christopher Lauer

    Da Du sie offenbar überlesen hast, wiederhole ich sie gerne noch einmal:

    – Wieviele Invite-Codes wurden verschickt?

    – Wieviele davon führten zur Anmeldung?

    – Wieviele davon loggten sich überhaupt ein weiteres Mal ein?

    – Wieviele davon melden sich
    – mindestens einmal um Monat?

    – mindestens einmal die Woche?

    – täglich an?

    – Wieviele haben an Abstimmungen teilgenommmen?

    – einfach?

    – mehrfach?

    – Wieviele haben ein Thema eingebracht?

    – Wieviele haben eine Alternativinitiative eingebracht?

    Vielleicht wärst du so freundlich und lieferst als LQFB-Beauftragter mal ein paar Antworten auf diese Fragen…

    dank & gruuß
    inkorrupt

    ps: In Sachsen haben ganze 12 von 350 Piraten für die Ausgabe von 6000,-€ für eine Landesgeschäftsstelle gestimmt, und diese de facto beschlossen. 5 davon waren LaVos. Basisdemokratie oder Elitenherrschaft?

  4. Aleks A. schreibt:

    Bei allen kritischen Bedenken gegenüber LF – die ich auch teile – würde ich gerne wissen, wieso sich die anderen Sachsen nicht an LF beteiligen. Was genau hindert sie daran?

    Weiters frage ich mich, woher ihr den Auftrag hernimmt, eine Mehrheitsentscheidung des Bundesparteitages zu ignorieren. Nicht, das ich diese Entscheidung mag. Aber eine überwältigende Mehrheit der Piraten beim BPT haben sich dafür ausgesprochen.

    Als Kritiker von LF sollten wir jetzt nicht einen auf sturem Kind machen, sondern tatsächlich immer wieder den Finger in die offenen Wunden von LF setzen von denen es genug gibt (Die Ergonomie z.B.) und die Anwendung dieses Werkzeugs äußerst kritisch begleiten.

    Aber jetzt auf den Boden aufstampfen und es aus Trotz nicht einzusetzen halte ich für dieselbe Art von Kindergarten Einstellung, die uns 10 Stunden in Bingen gekostet hat, um am Ende dieselben Vorstandsvorsitzenden zu haben wie ein Jahr davor.

    Ich halte Liquid Democracy für eine geniale Idee, und möchte sie im wirklichen Leben testen. Ob LF dafür das beste Werkzeug ist sei dahingestellt (die anderen sind noch schlimmer). Aber jetzt wie die kleinen Kinder diese Mehrheitsentscheidung zu torpedieren zeugt von keinem guten demokratischen Verständnis.

    Zum Blogpost selbst und als Bitte als Christopher. Ich halte es tatsächlich für falsch, einen dezidierter Befürworter von LF dafür einzusetzen, die (Datenschutz)Kritik am System zu überprüfen. Ich würde mir wünschen, daß jemand anderes die Rolle übernimmt. Denn wir alle sollten lernen, an Kritik stärker zu werden.

    Just my 0.02 EUR
    Aleks

    • ka4015 schreibt:

      Ich bin nicht aus Sachsen… Oder wie auch immer dein erster Satz gemeint war…

      Nichtsdestotrotz:
      Wie ich im Blog schon angedeutet habe: Piraten diskutieren frei. Piraten stellen jede Entscheidung – ungeachtet der Mehrheiten und der demokratischen Legitimation immer in Frage – nennt sich auch selber denken.
      Wenn wir damit aufhören können wir auch alle in den Strauß-Gedenkclub, die Willi-Brandt-Mahnwache e.V. oder in die Guido-Clown-Gilde eintreten, da gibt es fertige Meinungen – spart selber zu denken…

      Ich (Person) torpediere doch nichts, nur weil ich mal Kritik an einer Besetzungsentscheidung übe oder ein paar wirklich interessante Statistiken mal abfrage…

      Abgesehen davon möchte ich mich nochmal über den zum Teil rauhen Ton der Befürworter beschweren: „wir haben abgestimmt – nun halts Maul“ ist noch das freundichste was mir so entgegengeschlagen ist, wie ich erneut die Statistischen Fragen gestellt habe…

      Gruß
      Andreas

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