Politikbrowsergames im Vergleich

Hi,

Irgendwie geht mir der vergleich nicht mehr aus dem Kopf… Und je mehr ich drüber nachdenke, desto offensichtlicher werden die Parallelen. Was hebt LiquidFeedback eigentlich von Browsergames des Politikgenres ab? Ich vergleiche somit einfach mal das engl.-sprachige cybernations.net mit LiquidFeedback…

Situation cybernations.net:

  • Allgemein:

Du bekommst eine Nation. Du darfst dich in Allianzen organisieren. Du kannst andere Überfallen oder überfallen werden. Du kannst handeln oder tauschen. Du kannst weißgottwas alles mit deinem Geld Bauen. Oder es verschenken.

  • Die Grafik:

Browsergame eben… Die Seiten sind Schlicht, bis auf eine Animation auf der Titelseite. Wenn du etwas kaufst oder etwas passiert, illustrieren immer wiederkehrende Bilder deine Aktionen.

  • Die Usability:

Hinter der Simulation laufen hunderte mathematische und schlecht nachfollziehbare Formeln, die, sofern man der engl. Sprache mächtig ist, hier ansatzweise dokumentiert sind: http://www.cybernations.net/about_topics.asp Auch wenn du nicht immer verstehst, was du tust, du findest dich schnell zurecht bei einer sehr übersichtlichen Menütiefe von 1 – 2 Ebenen.

  • Spielrhytmus:

Das Spiel ist Rundenbasiert. „Update“ ist aus Europäischer Sicht in der früh um 5 Uhr.

  • Spielvarianten:

Es gibt ein Standardspiel, die sogenannte „Standard-Edition“. Dies läuft schon immer und hat gewisse limitierungen, wie oft man wen angreifen kann, usw… In einer beschleunigten Variante, der „Tournament-Edition“ spielt man etwa einen Monat (dann wird der Sieger gekührt und das Spiel resettet). Dafür kann man auch wesentlich öfter angreifen und so weiter…

  • Zusammenfassung:

Man verliert schnell die Lust, denn es geht ja um nichts…

Situation LiquidFeedback:

  • Allgemein:

Du bekommst einen Account. Damit darfst du auf andere Leute deligieren. Damit darfst du selbst Initiativen starten. Damit darfst du andere Initiativen unterstützen. Wenn du fleißig bist, werden ein paar Leute ihre Stimmen an dich deligieren.

  • Die Grafik:

Web 1.0! Der erste Eindruck vermittelt in dunklen braun-grauen Farben, dass die Macher des Games zusammen mit ein paar Spielern das Spiel für sich alleine behalten wollen.

  • Die Usability:

Hinter diesem Spiel laufen eine ganze Reihe „demokratischer“ aber dem Volk nicht verständlichen Regelwerken. Da man ohne extra Schulung nicht wirklich versteht worum es geht, findet man sich nur schwer bis garnicht zurecht. Eine „verständliche Dokumentation“ der Spielregeln zum „Standardverfahren“ bieten zum Beispiel folgende Übersichten:

Standardverfahren
≤ 8 days
15 days
8 days
8 days
≥ 10/100
≥ 10/100
> 1/2
  • Spielvarianten:

Es gibt, ähnlich wie bei cybernations ein Standardspiel und ein schnelleres Spiel. Pluspunkte sammelt Liquid Feedback dadurch, dass die beiden Spielsysteme in einer Edition, dem „Bundesliquid“ gemeinsam und ineinandergreifend gespielt werden können. Durch die Benennung „Standardverfahren“ bzw. „Schnellverfahren“ bekommt der Spieler ein echtes Gefühl von gelebter und demokratischer Bürokratie, was den Realitätsgrad des Games noch steigert.

  • Zusammenfassung:

So denn man denn noch im erlauchten Kreis der sonst so transparenten und für alles offenen Wiki-Piraten als Nicht-Pirat noch mitspielen darf, hat man nach einer unsäglichen Anmeldeprozedur eh schon keine Lust mehr. Zudem scheint hier ein Großteil der Gamer den Ingame-Charakter sehr nah mit dem RL-Charakter zu verknüpfen, was an der mutmaßlich ernsthaften Diskussion deutlich wird, ob man, sobald man einmal preisgegeben hat, welchen Fantasiedemokraten man spielt, überhaupt noch eine private Meinung habe. Aber letztendlich geht es in diesem Spiel auch um nichts und etliche Editionen, wie das Bayernliquid sind richtig „gut“ genutzt…

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9 Antworten zu Politikbrowsergames im Vergleich

  1. Pingback: Tweets that mention Politikbrowsergames im Vergleich | Ka4015's Blog -- Topsy.com

  2. ka4015 schreibt:

    Edit: Wär die Programmiersprache besser gewählt, ich würde echt mit dem Gedanken spielen, den Code zu nehmen und ein Browsergame draus zu machen…

    • anonym schreibt:

      Ich höre von einigen Seiten, die Programmiersprache sei schlecht gewählt. Jeder versierte Hobby-Programmierer und erst recht jeder gut ausgebildeter Informatiker dürfte mit der Sprache keine Probleme haben. Und Hauptgrund für die Sprache dürfte wohl die serverseitige, trigger-basierte Ausführung sein, die ohne weiteren Zwischenschichten, direkt als StoredProcedures in die Datenbank eingebettet werden können.

  3. unbekannter Leser schreibt:

    Und wenn man sich bei der Anmeldung den Text durchgelesen hätte und sich daran gehalten hätte, dann wäre die Anmeldung gar nicht so schwer gewesen!!! Aber einfach mal drüber herziehen ist ja eine sehr beliebte Eigenschaft bei den Piraten und besonders bei dir!!!

  4. Pingback: Das tollste Browsergame?! | Politikpiraten

  5. AMUNO schreibt:

    Es gibt da allerdings noch ganz andere politische Browsergames, die hier nicht erwähnt werden.
    Klar, dass man sich gerne hinter bürokratischen Hürden verschanzt und somit die große Chance vertut, ganz nah am Souverän zu bleiben.

    Gruß

    AMUNO

  6. Markus schreibt:

    Das Problem: Wenn ich in Cybernations was falsch mache, gibts nen Reset, und ich fange wieder bei NULL an. In der Hoffnung, aus meinem Fehler gelernt zu haben.

    Fehler, die ich in LiquidFeedback mache, wirken sich hingegen auf das RealLife aus. Da funktioniert das mit dem Reset und bei NULL anfangen nicht mehr.

    Die Anmeldeprozedur in LiquidFeedback hingegen empfand ich nicht als so wild, das war noch die leichteste Übung in diesem Game 😉

  7. 42-12-43-12 schreibt:

    Könnte LiquidFeedback irgendwann mal die Wahlen ersetzen? Schliesslich würde des System erlauben, die abgegebene Stimme der Person auf die man deligiert hat wieder zu entziehen und sie einem anderen zu geben.

  8. Hab ehrlich gesagt noch nichts von politischen Browsergames gehört. Sind für mich persönlich neu. Mehr davon 😉

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