Home Automatization – potenzieller Grabstein des Netzes

Home Automatization liegt ja voll im Trend… So wegen mit iphone das ganze Haus steuern. Ist ja unheimlich modern und unglaublich schick für den faulen Coachbewohner, sich am Rücken kraulen zu lassen ohne zum Schalter zu greifen…

Naja, mal ehrlich, noch hat sich kein Standardsystem herrausgebildet. Aber das wird es früher oder später. Und davor – aber allerspätestens in dem Augenblick muss man, sofern man Netzbetreiber heißt, seine Netzanschlussbedingungen mal eine Runde verschärft haben. Zum Beispiel sollte in diesen dann drinnen stehen:

An Ihrem Stromanschluss dürfen Sie keine fernschaltbaren Verbraucher mit einer Gesamtleistung über 100 VA (Beispielhafter Wert ~ 10 Energiesparlampen) anschließen, deren Schaltung dem Stand der Technik nach ohne sichere Authentifizierung aus dem Internet möglich ist.

Hintergrund, warum dass jeder Netzbetreiber machen sollte:

Aus Erfahrung der Photovoltaik weiß ich, was Datenlogger können – große Leistungen schalten. Und da der Elektriker gerne Zugriff auf den Datenlogger bekommen möchte aber von IT i.d.R. keine Ahnung hat, hat er sich selbst beigebracht, einen Port4ward einzurichten. Dass ist auch kein Einzelphänomen. Dies tun Elektriker hunderttausenfach in Deutschland, jeden Tag und nicht nur in der Photovoltaik.

Und da ich an manchen Stellen sehr paranoide bin, wie zum Beispiel die Folgen kollektiver Dummheit weiterzudenken, kann ich nur feststellen, dass hier von den Stromkunden eine Gefahr für das Stromnetz aufgebaut wird:

Nehmen wir an, wir leben irgendwann mal in einer vollvernetzten Welt, wo selbst die Klospülung via (W)LAN o.ä. gesteuert wird. Wenn ich nur halbwegs schlau genug wäre und irgendwelche schiefen Absichten verfolgen täte, könnte ich für einen erhöhten Stromverbrauch im Netz sorgen (einfach den Deutschen IP-Adressraum von der ribe nehmen und scannen, danach je nach Weboberfläche schalten lassen). Dann lass ich auf einen Schlag alle Verbraucher ausschalten und schalte danach genauso konzentriert alle wieder an, bis der Strom aus ist. Allein in der Photovoltaik denke ich, dass wir derzeit etwa 1-3 GW (Herr Özdemir: Gigawatt – nicht Gigabyte) an einem sonnigen Tag so an und ausschalten könnten. Das sind knapp 2 Atomkraftwerke, die von der einen Sekunde auf die nächste fehlen. Und nach 10 Sekunden wieder da sind! Wenn ich dann noch gleichzeitig alle Tiefgaragenbeleuchtungen einschalte, alle Treppenhauslichter einschalte, dann bekommt mein Angriff auf das deutsche Stromnetz ne ganz dicke Dimension, bei der hier oder da einige Trafos abbrennen könnten.

Die Regelleistung der europäischen Kraftwerke käme mit der Photovoltaik-Attacke schon sosehr ins schlingern, dass es früher oder später mal in halb Europa bis zur Wiederherstellung des Netzes dunkel wäre.

Und liebe Bundesregierung: Eure zentrale Stelle für IT-Sicherheit kann da gar nichts dran machen! Gegen die kollektive Dummheit ist kein Kraut gewachsen, vor allen Dingen so lange nicht, solange das schwächste Glied in der Kette so häufig vorkommt.

Zu verhindern wäre dies natürlich einerseits damit, dass man Elektrikern die sowas einrichten ein paar mehr Kenntnisse über IT vermittelt wie IPv4 und so (sorry, die Innung ist voll mit gescheiterten Meistern, keiner von denen wird je einen VPN-Tunnel erklären können). Andererseits damit, dass man es zum Marktstandard macht, dass das iphone [als Beispiel für ein sinnloses Produkt] nur mit VPN vom UMTS-Netz in das Netzwerk kommt, in dem grade der iPhonebediener auf der Coach sitzt und sich die Rückenmassage [Beispiel für eine sinnlose Anwendung von Home-Automatization] anstellt.

Zum Marktstandard wird es am schnellsten, in dem man eben pro Anschluss nur 100 VA frei aus dem Internet schaltbare Leistung zulässt (sollte für ne Garagenhofbeleuchtung noch reichen). Der Rest muss dann entweder mit Authentifizierung oder manuell geschaltet werden. Kontrollieren kann und wird es natürlich niemand.

Aber wenns wegen der kollektiven Dummheit kracht, so trifft dies bzgl. der Schadensforderung das dumme Kollektiv. Und liebe Netzbetreiber: Nun ist es öffentlich bekannt, wenn ihr nichts dagegen tut, so ist in diesem Falle die Klausel zum Hafftungsausschluss bei Stromausfall nichtig!

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