Jetzt werden die Bio-Särge genagelt

Weil sich mein Name und meine Email ja unschwer im Netz verbergen lassen, habe ich in den letzten Wochen einiges an Emailverkehr und Anrufe bekommen, mit wem ich mich alles mal unterhalten solle. Neben mehreren namhaften Zeitungen mit Wirtschaftsteil, bzw. der Wirtschaftsredaktion selbst, geschädigten Kleinanlegern von Immobilien-Genussrechten die ein Dejavu-Erlebniss haben und einer ganzen Reihe anderem Zuspruch für die offene Kritik möchte ich 2 Sachen herausstellen:

a)      Ich bin pro heimische Energien (also auch Kohle, sofern in D abgebaut) und ich bin gegen Stromgewinnung durch Atomkernspaltung. Meine Befürchtung ist, dass mit der Genussrechtschose der Ausbau der Erneuerbaren Energien stoppt. Die aktuelle Situation ist, dass Prokon, Green City, Naturstrom, Greenpeace Energy usw., also vorwiegend Unternehmen deren Glaubwürdigkeit nur aus dem historischen Kontext mit Umweltschutzvereinen überhaupt zu erklären ist, mit ihrem radikalen und kollektiven Umschwenken auf Genussrechte und Schuldverscheibungen, Finanzprodukte an Kleinanleger verkaufen, die für diese in keinster Weise geeignet sind. Sie sind deswegen für Kleinanleger noch weniger als beispielsweise Kommanditanteile geeignet, da bei mehr Risiko weniger Mitbestimmung und Kontrolle möglich ist. Wenn jedoch mit großen Genussrechtsemissionen das Vertrauen der Anleger zerstört ist, weil mal was nicht so geklappt hat wie es sollte, und wenn das aktuelle Prokon-Genussrecht mit 800 Mio. € platzt wird das das Lehman Brothers-Knall der Erneuerbaren Energien, lässt sich auch für kleine & lokale Solargenossenschaften und Solarinitiativen kein Eigenkapital mehr für eine Mischfinanzierung von neuen PV- Wind- Wasser- oder Biogasanlagen einwerben. Ein weitest gehender Stillstand im Neubau der EE-Anlagen wäre die Folge, in einer Zeit, wo auch endlich schwarz-gelb von alten Energiekonzepten abrückt. Wenn 2-3 Jahre „renewables“ nicht finanzierbar sind, dann mündet dieses Verhalten von Rodbertus, Prudlo/Mühlhaus und der restlichen Rasselbande in einer zusätzlichen CO2-Belastung, da viele EE-Kraftwerke erst später oder gar nicht mehr realisiert werden. Das ist den Herren vermutlich egal, es geht ja ums jetzige (kurzfristige) Geschäft.

b)      Wie es immer ist, wird auch an diesem Untergang, sofern er denn kommt, verdient werden. „Wenn man eine Katastrophe erwartet, sollte man Särge bauen“ – und das tun derzeit mehrere Kanzleien, vermutlich unabhängig voneinander. Sie zeichnen die Werbeveranstaltungen mit auf Band (leider ist an Franz und seinem Altem Mantra nichts Neues mehr dran…), sammeln Zeugenaussagen und archivieren diese, kaufen über „Sockenpuppen“ Anteile um nachher selbst Klagerecht zu haben und somit in einer taktisch besseren Position als Anwalt für eine Sammelklage zu sein. Wenn es dann mal kracht, dann wird sich der Mitschnitt, das Gedächtnisprotokoll, die schriftliche Aussage usw. auch immer mal richtig zu Geld machen lassen. Jemand, der sich betrogen fühlt, dem ist es egal, wo das Material zum Beweis von Fehlern seitens des Management herstammt. Er will nur sein Geld und „scheißt eine Runde auf Öko“. Ich hätte selbst nicht dran geglaubt, dass diese Voraussicht von Anwälten zur Gewinnung von möglichen „Großaufträgen“ an den Tag gelegt wird.

Aber wer nicht gerade sein Geld in einem Sarg von einer Kanzlei bestattet sehen will, der sollte sein Geld gar nicht erst in Gefahr bringen. Nach etwas Diskurs in diesem neu entstandenem Netzwerk habe ich folgende Punkte mal zusammengeschrieben und herausgefiltert, die die Gefahr eines Verlustes zwar drastisch mindern – aber natürlich auch nicht ganz ausschließen:

Hinweis: Punkte sind eine grobe Richtschnur! Wenn diese alle Erfüllt sind, kann trotzdem die Beteiligung schief gehen.

  • Gibt es für die Anlagen unabhängige Sachverständigengutachten? (Ertragsgutachten und Anlagenqualitätsgutachten)
  • Werden sämtliche verwendeten Komponenten angegeben (Hersteller und Typ)? Wenn nicht, woher wollen Sie dann wissen, worein Sie investieren?
  • Werden bewährte Komponenten in bewährter Zusammenstellung verwendet? Etwas nachgoogeln hilft oft schon, wenn man noch keine Referenzen findet tendenziell vorsichtig werden.
  • Ist ein gesicherter Erhalt für ~ 20+x Jahre von Gebäuden bei Aufdachanlagen gewährleistet? (Gibt es ein Nutzungskonzept, ist das glaubwürdig und realistisch?)
  • In welchem Zustand sind die Gebäude? Ist das Dach frisch gemacht oder muss nach 10 Jahren die PV-Anlage runter?
  • Wie wird das Recycling der Anlagen nach der Nutzung einkalkuliert? (Gemeiner Reinfall: Bei Trapezblechdächern, in die genietet wurde und wenn gleichzeitig eine Wiederherstellungspflicht vereinbart wurde, ist ein komplett neues Dach einzukalkulieren, da man die Nietlöcher nach dem Entfernen der PV-Anlage nicht mehr dauerhaft dicht bekommt!)
  • Ist eine totale Trennung zwischen Anlagenbauer und Fondsgesellschaft gewährleistet? Also finanziell, personell, räumlich und bzgl. gegenseitiger Abhängigkeiten. Aus eigener beruflicher Erfahrung weiß ist, dass nicht immer alles ganz korrekt abläuft. (Zahlung der Restbeträge obwohl der Bau der Anlage noch nicht so weit ist und recht schludrigen Abnahmen alles selbst erlebt. Wird auch woanders vermutlich nicht anders laufen.)
  • Wird das Anlagenmonitoring durch einen unabhängigen Dienstleister durchgeführt? Auch hier: finanziell, personell, räumlich und bzgl. gegenseitiger Abhängigkeiten.Wenn der Fondsverwalter dies selbst macht, dann kann auch hier massiv geschludert werden. Zudem hat der Fonds, wenn es zu Ertragsausfällen kommt, jemanden, den er haftbar machen kann. Interne Fehler werden zwar vermutlich ausgemerzt, die „Lern- und Optimierungsschäden“ aber nicht als solche kenntlich gemacht.
  • Sind die Anlagen bereits in Betrieb? Wenn ja, gibt es schon erste Ertragswerte? Entsprechen die den Erwartungen?
  • Sind Ertrags- und Teilegarantien über die vorgesehene Gesamtbetriebszeit vorhanden und gesichert, was sind diese Garantien wert? (Extremfall: Was nutzt es, alle Ertragsgarantien über eine GmbH mit 25.000€ Kapital abzuwickeln, wenn man Megawattprojekte baut?)
  • Sind die Lebenserwartungen sämtlicher verwendeter Komponenten bekannt und im Wartungsplan der Anlagen berücksichtigt? Kleiner Haken: SMA, Kaco, Fronius und wie die alle heißen, geben zwar Ihre Garantiezeiten an, jedoch entsteht Arbeits- und Verwaltungsaufwand wenn Wechselrichter öfter gewechselt werden müssen. Deswegen sollten große Projektanten die MTBF (Mean Time Beetween Failure), die diese Hersteller nicht gerne angeben (jeder PC-Lüfter hat so eine Angabe) einfordern oder andere Wechselrichter verwenden. Und natürlich müsste der Wartungsplan seitens der Fondgesellschaften den Verkaufsprospekten beigelegt werden…
  • Ist die Möglichkeit vorgesehen, die Anlagen durch eigene Sachverständige prüfen lassen zu können? Ich empfehle, sofern man ein paar andere Interessenten kennt, sich mit denen einen Sachverständigen zu nehmen und die Anlage anzuschaun. Wer sowas ausschließt, der möchte nicht, dass Sie kontrollieren, was Ihr Geld wirklich macht.
  • Bei PV Großanlagen werden normalerweise Wartungsrückstellungen von mindestens einem Prozent des Neuwerts pro Jahr gerechnet (Quelle: Photon). Ist dies hier berücksichtigt? Anmerkung: Durch den Preisverfall (Module, Wechselrichter, UK) empfehlen sich heute eher 2 bis 3%
  • Sind die Ertragswerte der Lage und der Ausrichtung der Anlage unter Berücksichtigung der verwendeten Module entsprechend angegeben und werden diese eher im unteren Bereich angenommen? Wer mit dem Wert kalkuliert, den ein xyz-Simulationstool auswirft, der hat, wenn sich das Tool verrechnet hat später keine Reserve. Deswegen einfacher Trick: Dezember und Januarerträge der Siulation einfach weglassen -> diese Reserve sollte ausreichen. Dieser Trick schützt auch vor manchem Tool, dass die Einstrahlung zwar richtig berechnet, aber vergisst, dass wenn Schnee auf den Modulen liegt von der Einstrahlung kein Strom erzeugt wird.

PS: Der/Die GCE-MitarbeiterIn der/die mich bzgl. meines letzten Posts wörtlich dazu aufforderte „diese verleumderische Darstellung von Fakten zu beenden“ sollte sich nochmal über die Wortbedeutungen im einzelnen und im gesamten Gedanken machen – ansonsten kann ich nur für die Erheiterung diesbezüglich danken.

PSS: Nein Herr Prudlo/Mühlhaus, ich gebe keine konkrete Empfehlung für eine Geldanlage, insbesondere nicht per Kommentarfunktion. Es ist aber schon traurig, dass Sie mich danach fragen, haben Sie denn kein Vertrauen in die Genussrechte der GCE, wenn Sie diese selbst schon „herstellen“ / „vertreiben“?

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