Energiewende? Bitte nicht widermoralisch, unchristlich und neukollonialistisch!

Im Rahmen der aktuellen Energiedebatte bekommt man immer wieder von irgendwelchen Trotteln die Zusammenhänge von Moral, Ethik, Christentum und Energiepolitik erklärt. Jetzt erkläre ich mal zurück ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, gezeigt an zwei Beispielen:

 

Zuerst hatte die öffentliche Berichterstattung und die Kampagnen der Hilfsorganisationen auf die Tränendüse gedrückt, dass ja in Afrika arme Kinder verhungern, weil wir in Deutschland gute Flächen mit Silizium statt mit Rindern vollstellen.

Freiflächenanlagen sind ja angeblich total daneben. Eine Absenkung der Vergütung nach EEG für Freiflächenanlagen war die Konsequenz daraus. Wenn man auch nur 2 Minuten Rechenzeit seines Hirns einsetzen würde, könnte man die auf Emotionalität getrimmten Kampangnen von „Hilfsorganisationen“ wie „Brot für die Welt“ schnell als Unfug entlarfen.

In Europa wird 2/3 des europäischen Haushaltes dafür ausgegeben, damit Bauern den Landschaftsgärtner spielen. Ein moderner Bauer in der EU führt als Abfallprodukt Lebensmittel im Angebot. Je größer ein Betrieb ist, desto größer seine Zulagen aus EU-Mitteln. Die Konsequenz dieser vor allem französisch-deutschen lobbygetriebenen und extrem teuren Agrarpolitik sind Butterberge und Fleischwüsten in Europa, deren Kaufpreis weltweit inkl. Zölle und Transport immer noch jeden lokalen Erzeuger ausstechen kann. Eine Reduzierung der Produktion ist wegen der Lobbyarbeit nur durch eine Erhöhung des Subventionsaufkommens machbar, weil man muss ja den Bauern dafür bezahlen, dass er „nichts“ produziert.

Also wird weiterhin viel zu viel an Lebensmitteln in Europa produziert, unsere Bachläufe und Wiesen mit Düngemitteln und Fäkalien einer hochsubventionierten Agrarindustrie überflutet und der zu viel erzeugte Rest an Lebensmitteln in alle Welt exportiert um dort die heimischen Erzeuger wirtschaftlich zu zerstören. Sobald aber mal eine kleine Nahrungsmittelkrise (wie zum Beispiel Ehec) wieder den Markt für Agrarprodukte in Europa umwälzt, entsteht durch Preis- und Nachfrageschwankungen Hunger und Hilfsorganisationen können mit herzerweichenden Bildern wieder Unsummen an Geldern einsammeln. (Nebenbei: Das Hilfsorganisationen vom Geschäftsmodell her an Katastrophen interessiert sein müssten würde nach meinem Abendländischem Moralverständniss deren umgehendes Verbot rechtfertigen)

Eine Verringerung der Nahrungsmittelüberproduktion war 2009 doch gerade erst in Sicht: Große Flächen, deren Siliziumbelag Ihren Ertrag in die heimischen Stromnetze einspeisen und somit Lebensmittelerzeuger in fernen Kontinenten nicht tangieren. Außerdem werden solche Flächen 2-5 mal im Jahr gemäht und nicht mehr gedüngt, gepflügt und beackert. Man kann also solche Photovoltaikflächen als bodenschonender und nachhaltiger wie die aktuelle Lebensmittelproduktion erachten. Freiflächenanlagen der Photovoltaik sind ebenfalls Bodenschonender als die immer noch geförderte Vergasung von Mais.

Aber Energieflächen mit Silizium, so die einhellige Meinung der unqualifizierten Politik, dürfen Nahrungsmittelflächen nicht verdrängen, weil dies unchristlich, unethisch und widermoralisch wäre. Man muss stattdessen feststellen, dass die Politiker der Union und FDP im Bundestag, die diese Änderung des EEG mitgetragen haben, aus den oben genannten Gründen wohl eher unter den vorher genannten Begriffen zusammenfassen lassen.

 

Auch das Konzept Desertec, dass im wesentlichen nur ein grün angestrichener und CO2-Betriebener neukollonialistescher Zerstörer ist, kreuzt in diesem politischem Gewässer und forderte den Strom in der Wüste zu erzeugen, da er dort am billigsten herzustellen ist.

Erstens, haben viele Afrikanische Länder enorme Probleme, überhaupt Ihr Stromnetz stabil zu halten. Hätte das europäische / deutsche Stromnetz, dass man somit zwangsweise an das afrikanische ankoppelt, dann die Stabilität von diesem, hätte ich hier wärend dem Schreiben dieses Blogbeitrags wohl 4 Stromausfälle gehabt.

Dagegen argumentiert Desertec, dass man ein eigenes „Sammelnetz“ bauen wölle. Und damit haben wir wieder eine neue Art energietechnischer „Rassentrennung“. Die Europäer sitzen in Ihrem Abteil des Busses, die Afrikaner in dem anderem. Wenn sich mal eine Frau in das verkehrte Abteil hockt und sitzen bleiben will (Achtung Metapher), gehen in Europa die Lichter aus.

Nein, man muss in Afrika vorerst nicht mal neue Kraftwerke bauen. Die Kraftwerkskapazitäten aus der Wasserkraft sind auf diesem Kontinent für den aktuellen Stromverbrauch absolut ausreichend, es handelt sich um eklatante Verteilungsprobleme. Was man braucht ist eine funktionierende und auch für den Stromverbrauch auf Postentwicklungsniveau ausgelegte Verteilungsinfrastruktur. (Wenn man heute Leitungen legt, die in 5 Jahren zu klein werden ist wieder nichts gewonnen).

Erst wenn das afrikanische Stromnetz stabil ist (zumindest in den befriedeten Regionen), es nicht mehr aus vielen Dieselmotorgetriebenen Inseletzen besteht und die heimische Bevölkerung eine Stromüberproduktion erzielt, dann können wir Europäer mit dem Export von Energie beginnen.

Hilfsorganisationen würden herzerweichend dazu sagen: Es kann nicht sein dass ein Wüstenlazaret stehend unter einer Desertec-Leitung ohne eigenen Strom nur einfachste medizinische Behandlungsmethoden anwenden kann, da Medikamente die gekühlt werden müssen nicht gelagert werden können. Und darüber fließt der Strom für Europa, für Fenseher, Werbebeleuchtung und Akkuautos.

Außerdem muss das Desertecprojekt, wenn es wirklich die Eigenschaft der Nachhaltigkeit beanspruchen will, radikal anders vorgehen, wie es das jetzt zu tun versucht:

Derzeit wird in Deutschland und Europa entwickelt. Die Geräte werden in Deutschland / Europa hergestellt. Vor Ort leiten deutsche Ingeneure den Aufbau. Später leiten deutsche Manager die gegründeten Kooperationen. Firmen, die dann Ihre Produktionsstätten für Energie in Nordafrika haben, haben aber Ihren Firmensitz in Deutschland. Vor Ort bleiben wieder nur Hilfskräfte oder halbqualifizierte Arbeiter in Lohn und Arbeit. Dieses Vorgehen erinnert schon sehr an eine zweite Kolonialisierung, bloß dass der frühere Sklave jetzt einen Lohn bekommt, der inflationsbereinigt unter den damaligen Kosten der Sklavenhaltung liegt. Außerdem nennt er sich heute Arbeiter und putzt die Spiegelflächen deutscher Parabolrinnenspiegel anstatt für Kolonialbahnen deutsche Eichenschwellen zu schleppen.

Nicht ohne Grund hat eine enttäuschte Generation in Tunesien eine inzwischen fast Globale Jugend- bzw. Menschenbewegung angestoßen. Wenn man mit einem Studium wegen seiner Nationalität grade mal dazu taugt, Hilfsarbeiten anzunehmen, dann darf man sich über die aktuellen Verschiebungen der Machtverhältnisse nicht wundern. Der arabische Frühling ist ein Lehrstück, dass man  mit der Energiepolitik rund ums Öl gescheitert ist. Desertec hat ungefähr die gleiche Konzeption, nur dass der Rohstoff eine andere Form hat. Deswegen darf Desertec in der aktuellen Konzeption nicht umsetzt werden. Es gäbe sonst wieder eine durch Korruption, Macht und Unterdrückung gefestigte Entwicklung eines Enegrieprojektes.

Nebenbei ist es meines Erachtens besonders perfide, ein solch menschenverachtendes Konzept in einer gemeinnützigen Stiftung zu verbergen und für dessen Förderung Spenden zu sammeln.

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