meine Stellungnahme zum Kirchenaustritt

Ich poste hier, meine Stellungnahme zum Kirchenaustritt, den ich letzte Woche am Standesamt vollzogen habe. Meine Stellungnahme habe ich dem Pfarramt seperat zugestellt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte noch Stellung zu meinem Kirchenaustritt nehmen:

Weder persönliche Differenzen noch lokale Probleme im Pfarrverband haben mich zum Austritt aus der katholischen Kirche bewogen.

Ich bin seit rund 2 Jahren in mehreren, auch international agierenden Bürgerrechtsbewegungen aktiv und vernetzt. Sicherlich haben Sie den medialen Aufschrei mitbekommen, als Herr Orban, Ministerpräsident Ungarns, ein neues Mediengesetz auf den Weg brachte und kurz darauf die Ratspräsidentschaft Europas inne hatte. Der mediale Aufschrei über die Willkür- und Zensurgesetzgebung hatte danach aber ein jähes Ende – letztendlich trat ja das Gesetz in Kraft.

Aber nachdem die Medien nicht mehr frei aus Ungarn berichten konnten, wurde eine Verfassungsreform durchgepeitscht. In dieser neuen Verfassung werden der Regierung weitere Rechte zugestanden, Kontrollmöglichkeiten beschnitten und vieles mehr. Von machtpolitischer Seite würde man das aus deutscher Perspektive mit einem kleinen Bruder des Selbstermächtigungsgesetz vergleichen.

Aber es passierte noch mehr: Durch die Festlegung sogenannter „christlicher Werte“ in dieser Verfassung ist die Bekenntnisfreiheit für nichtchristliche Religionen weitestgehend eingeschränkt. Außerdem wurde, anstatt die Rechte von Frauen in Not zu stärken und sogenannte Schutzheime einzurichten, die Prostitution verboten, womit diese in den Kellern Budapests verschwindet und von menschlicher Seite nur noch grausamer wird. Außerdem wurde auch das freie Bekenntnis in der Liebe so gut wie unmöglich. Egal ob es eine Sünde ist oder nicht, sich in einen anderen Mann zu verlieben, diese Möglichkeit juristisch zu unterbinden, da es eine Sünde in einer von vielen Religionen sein könnte ist alles andere als Akzeptabel. Unter den Maßstäben von Toleranz und Nächstenliebe auch für mich als Christen nicht.

Nachdem ich nach einem polnischem Papst, der stetig Bürgerrechte betonte, eigentlich eine Verurteilung dieses Vorgehens und eine Verurteilung dieser Entstellung christlicher Werte durch die ungarische Regierung erwartet hätte, bin ich umso schockierter das der jetzige bayrische Papst diese Reform begrüßte. Nicht minder entsetzt mich, dass andere Konfessionen sich ähnlich äußerten.

Ich will nicht in einer Organisation Mitglied sein, deren Oberhäupter bezüglich der Selbstabsicherung dieser Institution sich wie eine Lobbygruppe verhalten, deren Gebaren man gut mit dem des ADAC vergleichen kann, der regelmäßig mehr Geld für neue Straßen fordert. Es widerspricht meinem Moralverständnis, welches ja durch das bisherige Christsein nicht ganz ungeprägt ist, bei so etwas zuzusehen und nichts zu tun.

Ich werde mich weiterhin als Christ sehen und frage, ob und wann die Katholische Kirche zum Christentum zurückfinden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Witte

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Eine Antwort zu meine Stellungnahme zum Kirchenaustritt

  1. G. H. schreibt:

    Als Lutheraner bin sehr stolz darauf Menschen wie Sie in einer Gemeinschaft von Christen zu wissen.

    G. H.

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