Ein Rant auf die EEG-Novelle 2012!

Das neue Jahr beginnt im Sektor der Erneuenbaren Energien, insbesondere in der Photovoltaikbranche schon seit Jahren mit der Absenkung der Einspeisevergütungen. Deswegen gibt es im November/Dezember halt immer diese Hyperaktivität im Zubau um kurz danach Betriebsferien anzuordnen oder die ganzen Gewährleistungen usw. zu erledigen.

Dieses Jahr gibt es noch was obendrauf. Das EEG, also das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz) wurde novelliert (hier die neue konsolidierte Fassung). Diesmal gab es keine Extrarunden mit Vergütungsabsenkungen. Diesmal wurden für die Photovoltaik die technischen Anforderungen hochgeschraubt – und zwar insbesondere auch die Anforderungen für kleinere Anlagen.

Das neue EEG trägt in „§6 technische Vorgaben“ nun folgende Formulierung:

(1) Anlagenbetreiberinnen und Anlagenbetreiber sowie Betreiberinnen und Betreiber von KWK-Anlagen müssen ihre Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 100 Kilowatt mit tech-nischen Einrichtungen ausstatten, mit denen der Netzbetreiber jederzeit
1. die Einspeiseleistung bei Netzüberlastung ferngesteuert reduzieren kann und
2. die jeweilige Ist-Einspeisung abrufen kann.

Die ferngesteuerte Reduzierung der ins Netz eingespeisten Wirkleistung ist schon länger State of the Art. Die technische Umsetzung erfolgt in der Regel mit einem Rundsteuerempfänger, der 4 Relais schalten kann. Daraus ergeben sich die Abregelungsstufen 100%, 60%, 30% und 0%. Diese Schaltzustände werden oft durch ein Zusatzgerät, zum Beispiel die SMA Power Reducer Box, per Ethernet an den Datenlogger übertragen, der diesen Befehl dann durch den RS232- oder RS485-Bus an die Wechselrichter weitergibt. Auch dieses Verfahren hat schon Sicherheitslücken mit dem Potenzial einer Großstöhrungslage im Stromnetz gehabt, da die Kommunikation zwischen den beiden Kasterln nicht gegen fremdes Impersonating gesichert war und man zur Erreichbarkeit der Datenlogger für Wartungszwecke viele dieser Datenlogger nach „außen“ Portforgewarded wurden. Ein potenzieller ANgreifer hätte damit über das Internet den befehl zum kollektiven Abschalten aller PV-Anlagen geben können, was für die Stromnetzbetreiber nicht vorherrsehbar gewesen wäre. So weit ich weiß hat hier zumindest SMA ein kleines bisschen nachgebessert.

Die Abrufung der Ist-Einspeisung ist derzeit so gut wie gar nicht technisch realisiert, es sei denn, man versteht darunter ernsthaft, dass sich ein Mitarbeiter die gesuchte Anlage in einem der Herstellerportale raussucht und dort nach aktuellen Daten kramt, die nicht zwangsweise vorliegen müssen. Da entsprechend große Anlagen oft über Digitalzähler verfügen, ist der Einbau eines kleinen Funk-Wahlmodems mit IRDa-Schnittstelle zur Zählerauslesung bestimmt die kommende technische Lösung, die es halt bisher noch nicht am Markt gibt – nichtmal mit einer fernen Lieferzeit.

Weiter heißt es im EEG:

(2) Anlagenbetreiberinnen und Anlagenbetreiber von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus sola-rer Strahlungsenergie
1. mit einer installierten Leistung von mehr als 30 Kilowatt und höchstens 100 Kilowatt müssen die Pflicht nach Absatz 1 Nummer 1 erfüllen,
2. mit einer installierten Leistung von höchstens 30 Kilowatt müssen
a) die Pflicht nach Absatz 1 Nummer 1 erfüllen oder
b) am Verknüpfungspunkt ihrer Anlage mit dem Netz die maximale Wirkleistungseinspei-sung auf 70 Prozent der installierten Leistung begrenzen.

Also unter 100 kWp keine Leistungsabfrage, aber eine Leistungssteuerung – auch gut.

Interessant ist die 70%-Regel. Die kann man wohl unter dem Stichwort Resourcenverschwendung einsortieren, denn:

Diese Regelung kostet rund 15% des Jahresertrag in Südbayern, und immer etwas über 10 % im restlichen Deutschland. Nun ist die Photovoltaik gewiss keine Resourcenschonende Technologie, wie man sich anhand des Energieaufwandes bei der Siliziumaufbereitung leicht vorstellen kann. Auch die restlichen Teile haben alle mal Energie gebraucht, egal ob Glas, der Alurahmen, die Kupferkabel oder das Montagegestell. Wenn 15% Energie fehlen, dann verlängert sich die Energierückgewinnungszeit um mindestens ein Jahr, je nachdem ob man als Ausgang optimistische oder konservativere Zahlen nimmt auch etwas mehr.

Das blöde an der 70%-Regel ist also, dass sie explizit erlaubt, „das Licht nicht auszuschalten“. Also selbst jemand, der aufgrund einer Speicherheizungsvergangenheit seiner Immobilie an einem Trafo wohnt und der aufgrund recht Energieintensiver Gewerbebetriebe in der Nachbarschaft auch gut ausgebaut ist und es somit zu keinem Bedarf bzgl. dem Herunterschalten kommt, wird hier explizit die Möglichkeit geschaffen, Strom „grundlos“ nicht zu erzeugen, also eine der teuersten Elektizitätsformen zu verschwenden.

Aber irgendwo muss sich das BMU ja treu bleiben 😉

Aber so richtig lustig wird es, wenn man sich den Anwendungshinweis §6 Absatz 2 EEG 2012 des BMU und BMWi durchliest:

Dort steht zur Abregelung der Anlagen:

Die technische Einrichtung muss mindestens die Befehle Einspeiseleistung 100 Prozent (Ein) und 0 Prozent (Aus) umsetzen können; ein stufenloses Regeln ist für diese Kleinanlagen derzeit nicht erforderlich.

Ok. Nichts leichter wie das: Großes Schütz in den Anschlusskasten oder die Verteilung und dann noch ein Zwischenschütz, damit ich beim Schalten nicht den Rundsteuerempfänger zu stark belaste, das steht dann da auch explizit nochmal drin!

Dies kann zum Beispiel über ein AC-Schütz erfolgen.

So richtig geht das ganze in den Schmarrn rein, wenn man sich folgenden Absatz gibt:

Hier wird zur besseren Einbindung empfohlen, bereits in der Planungsphase eine Verbindungsleitung zur Kommunikation zwischen zentralem Zählerplatz und Anlage vorzusehen (vorzugsweise Ethernet aufgrund des BSI-Schutzprofils).

Es steht also allen ernstes in diesem tollen Papier drin, dass man zum Schalten von einem Bit Information eine Ethernetleitung verlegen soll – anstelle eines einfachen NYM-Kabels. Außerdem ist mir kein Rundsteuerempfänger bekannt, der einen Ethernetport hätte. Genausowenig ist mir ein gängiges AC-Schütz bekannt, wo ich das andere Ende dieser Kommunikationsleitung reinstecken könnte!

Der Schmarrn hat aber noch kein Ende, wenn man die Verlegung einer zum AC-Hauptkabel parallel liegenden Ethernetleitung propagiert. Denn das angebliche BSI-Schutzprofil scheint gar nicht der Grund zu sein. Den Erfährt der geneigte Leser dieser Anwendungsrichtlinie ein paar Zeilen später:

Die technische Einrichtung sollte vorzugsweise zugänglich am Zählerplatz des Einspeisezählers Z2 installiert sein.2 Darüber hinaus muss ein abregelungsfähiger Wechselrichter („EinsMan Ready“)3 eingesetzt werden. Die verwendete Technik muss Anforderungen genügen können, die eine Integration dieser Anlagen in ein intelligentes Netz bzw. die Anbindung in ein intelligentes Messsystem vorsehen.

Ahh, das heilige Grab des toten Pferdes der intelligenten Netze und sein Reiter stecken dahinter! Also sprich, die Ausrüstung mit einem Schütz reicht nur VORERST, womit sich die Intension des leicht deplazierten Wortes „derzeit“ im Teilsatz „ein stufenloses Regeln ist für diese Kleinanlagen derzeit nicht erforderlich“ auch in einem ganz anderem Licht präsentiert.

Zusammenfassung:

Wenn die vom BMU wollen, dass sich Regelsysteme (intelligente Systeme gibt es bekannterweise noch nicht) im Bereich der Elektrizität durchsetzen, müssen die das auch in die Gesetze und vorschriften reinschreiben. Die EEG-novelle ist diesbezüglich schlecht gemacht, denn sie sieht für Anlagen kleiner 100 kWp nur eine Fernsteuerung vor, keine Fernregelung (kleiner aber feiner Unterschied). Und wer da trotz der Bezahlung der EEG-Umlage für seine PV-Anlage nicht mitspielen mag (sorry, aber seit wann kann man sich das auch noch aussuchen, wenn man schon gut Geld dafür bekommt?), der wird zur anlasslosen Resourcenverschwendung aufgefordert. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Novelle des EEG, kurz auch EEG2012 genannt, ein totaler Schuß in den Ofen und wenig ökologisch.

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2 Antworten zu Ein Rant auf die EEG-Novelle 2012!

  1. pseudoruprecht schreibt:

    Ein Gesetz, das so schlecht gemacht ist, dass jetzt schon wieder daran rumgefummelt wird, und bei dessen Umsetzung einem auffällt, dass bei diesen ganzen neuen Vorgaben der Satz fehlt „Näheres regelt ein Telefongespräch mit dem Netzbetreiber“. Die wissen teilweise selbst nicht, wie sie es gerne hätten, können selbst gar nicht leisten, was im Gesetz steht, da die technischen Voraussetzungen fehlen, winken kleine Anlagen auch ohne den ganzen Schnulli einfach durch etc. Der schönste Wildwuchs.

    So sieht langfristige Planungssicherheit aus, wenn die „Wirtschaftspartei“ die Finger dran hatte.

  2. Pingback: Ein Rant auf die EEG-Novelle 2012 « EE-Piraten

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