#Playmobilgate, Die Nutzung von Eigentum

ich hasse diese Playmobilfiguren ja wie die Pest. Sie sind wenig passend, genauso wie diese ganzen maritimen Bezeichnungen wie das „entern“ von Parlamenten und der ganze Shit.

Letzte Woche hat mein Bruder was lustiges in der Zeitung über die Playmobilmaschkerl gefunden – bei den Leserbriefen. Dort erklärte ein vermutlich minderjähriger Playmobilexperte, dass auf den Fotos „Rotröcke“, also englische Marinesoldaten zu sehen seien, der ärgste Feind der Piraten.

Damit hätte eigentlich das, was die Auswahl passender Symbolbilder durch die deutsche Presse angehende Kapitel, schon geschlossen sein können.

Aber jetzt geht die Story in eine zweite runde, als ich heute in einem Pad diese Email vorfand:

Liebe Mitglieder der AG Recht,
folgende E-Mail habe ich bekommen und weiß nicht so recht was ich damit anfangen soll und in wie weit das uns Tangiert. Vor ab, die Fotos sind von DPA, DAPD und Co nicht von mir. Ich vermeide solche Fotos in der Regel, da ich sie zu kitschig finde.
Es würde mich freuen, wenn ihr mir kurz Mitteilt wie ihr das seht und ob es Handlungsbedarf gibt.
Wünsche noch einen schönen Tag,
Tobias *******
——– Original-Nachricht ——–
Betreff:     Pressefotos mit Playmobil-Figuren
Datum:     Mon, 02 Apr 2012 11:18:39 +0200
Von:     Recht <****@playmobil.de>
An:     <****@piratenpartei.de>
Sehr geehrte Damen und Herren,
als größter deutscher Spielzeug-Hersteller treten wir mit folgendem Anliegen an Sie heran:
In letzter Zeit waren die Piraten in der Presse gehäuft in Verbindung mit Playmobil-Figuren (Piraten etc…), abgebildet. Die Figuren wurden dabei teilweise mit der hinzugefügten Aufschrift „Piraten Partei“ versehen.
Zu diesem Sachverhalt liegen uns insbesondere folgende Quellen vor:
Als Hersteller der Playmobil-Figuren ist es unser ernstes Anliegen, das für Kinder bestimmte Spielzeug grundsätzlich von politischen Assoziationen jeder Art freizuhalten.
So finden sie auch etwa in unseren Customizing-Richtlinien unter http://www.playmobil.de/on/demandware.store/Sites-DE-Site/de_DE/Link-Page?cid=CUSTOMIZING die zwingende Vorgabe, keine Inhalte zur politischen Meinungsäußerung durch die Verwendung der Figuren zur platzieren.
Es handelt sich hierbei um einen Teil der Unternehmensphilosophie, der auf der Tatsache gründet, dass die Playmobil-Figuren als Spielzeug für Kinder und deren Bedürfnisse intendiert sind. Das Vorgehen gegen die politisch motivierte Verwendung unserer Figur entbehrt daher auch jeglicher politischer Wertung, sondern richtet sich in Konsequenz oben skizzierter Richtlinien gegen sämtliche politische Aktionen (egal aus welcher Richtung und egal von welcher Gruppierung), von denen wir in Zusammenhang mit unseren Figuren Kenntnis erlangen.
Wir fordern sie daher ausdrücklich auf, unsere Figuren nicht mehr zur politischen Werbung zu verwenden.
Mit freundlichen Grüßen,

 

Nehmen wir mal an, wir würden wirklich wollen, dass diese Unsinnsfotos von den verschiedenen Presseagenturen verbreitet würden, und vorrausgesetzt diese Manschgerl wären weder geliehen noch gestohlen:

Woher zum Teufel nimmt sich eigentlich eine Firma das Recht, zu untersagen, dass ich die Plastik-Manschgerl irgendwie beklebe und fotografiere? DARF ICH MIT MEINEM EIGENTUM NICHTS MEHR MACHEN, WAS MIR DER HERSTELLER NICHT ERLAUBT HAT???

Ich kann zwar das Anliegen prinzipiell nachvollziehen, aber müsste der Besitz nicht viel schwerer wiegen. Zumindest würde mir ein klassischer Spielwarenhändler, bei dem ich diese Figuren kaufen kann, nicht im Kaufvertrag diese Costumizing-Bedingungen vorlesen udn deren Annahme quittieren lassen – oder? Wenn er es täte, ok, dann kann ich das wieder in meinem Rechtsempfinden einordnen – aber nehmen wir an, ich habe die Figuren vom Flomarkt?

Es ist für mich in meinem Rechtsverständnis extrem schwer vorstellbar, dass physikalisches Eigentum durch irgendwelche Herstellerbestimmungen aufgebrochen werden kann, aber vielleicht hilft mir hier mal jemand:

  • Darf ich auf meinem Fujitsu-Siemens eigentlich ein selbstbesorgtes Win7 Pro statt dem Vista OEM aufspielen oder muss ich das rechtlich korrekt wieder deinstallieren – und dürfte ich überhaupt ein Linux aufspielen?
  • Darf ich an meinem Passat L, Baujahr 74, überhaupt Ersatzteile tauschen, die VW nicht mehr verkaufen will – oder müsste ich den Karren rechtlich korrekt jetzt zum Würfel pressen lassen?
  • Darf ich meinen Schülerschreibtisch von moll eigentlich auch noch nach der Schule nutzen – oder müsste ich alles, was nach der Schule an ihm passiert ist, wieder zurücknehmen, beispielsweise diesen Blockpost den ich hier schreibe???
  • Dürfte mir ein Kartoffelbauer verbieten, die Kartoffeln, die ich im Winter nicht gegessen habe und aus denen so langsam die Sprieße rauskommen, im Garten zu vergraben um neue Kartoffeln zu bekommen???

Wenn es Herstellern materieller Produkte erlaubt ist, über Nutzungsbedingungen nichtsahnenden Kunden etwas zu verbieten, dann hat es sowas wie Eigentum oder Besitz bei diesen Produkten nie gegeben. Ich frage mich, ob mir damit gerade ein Faktum bewusst geworden ist (dass es Besitz nie gab, dass Besitz in unserer Konsumgesellschaft eineIllusion ist) – oder ob hier eine Anwaltskanzlei einfach mal ganz frech einen Brief formuliert hat, der eh keinen rechtlichen Bestand hat. Wenn ersteres zutrifft, dann sollten wir „für Eigentum und Besitz Segel setzen“! Und zwar schnellstens.

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7 Antworten zu #Playmobilgate, Die Nutzung von Eigentum

  1. Aljoscha Rittner schreibt:

    Das wird Dich brennend interessieren:

    http://netzpolitik.org/2008/vorsicht-bei-der-verwendung-von-playmobil-figuren/

    „die Antwort von Playmobil: mit Interesse habe ich mir das Musikvideo “I Sexi” angesehen. Es ist zweifellos sehr gut gemacht. Bedenken Sie aber, dass wir Hersteller von Kinderspielzeug sind. Und der Text des Songs ist wahrlich nicht für Kinder geeignet. Einer Verwendung des Videos durch die Plattenfirma auf der Homepage des Interpreten Plemo oder zu Werbezwecken können wir deshalb nicht zustimmen. Bitte beachten Sie dazu auch die beigefügten Richtlinien, speziell Punkt A 6.“

    http://www.business-on.de/mittelfranken/playmobil-wehrt-sich-weiter-gegen-plastik-kreuzigung_id3218.html

    „Indes wehrt sich der Geistliche gegen die von Playmobil erhobenen Vorwürfe mit einer eigenen Stellungnahme. Es sei grundsätzlich nicht richtig, dass Playmobil ihm die Veränderung der Figuren untersagt hätte – lediglich um das Unterschreiben einer Unterlassungserklärung habe man ihn gebeten. Dies lehne er jedoch bei der jetzigen Form der Erklärung ab. Zudem würde sich biblische Geschichte nicht aufgrund von Unternehmerwünschen verändern. „Adam und Eva sind nun einmal vor dem Sündenfall nicht angezogen gewesen“, so Bomhard.“

    Um die Sache komplett zu machen:

    http://www.business-on.de/mittelfranken/playmobil-wehrt-sich-gegen-plastik-jesus_id3065.html

    „Playmobil hatte zuvor im Falle der ARD-Sendung „Schmidt und Pocher“ auf rechtliche Schritte verzichtet, als diese eine zu Adolf Hitler veränderte Figur zeigte, da es sich hier um ein Format für Erwachsene handele.“

    Also Playmobil-Figuren als Hitler darzustellen, weil sie Pocher mal zeigte, ist ok. Aber ein Jesus oder grunddemokratischer Pirat ist verwerflich.

    So durchgeknallt können nur Rechtsabteilungen von Plastikspielzeugherstellern sein…

  2. Gerald schreibt:

    Ich denke, die Anwälte der Herstellerfirma verwechseln da etwas. „Markenrecht“ bedeutet, daß das Symbol und der Name vor missbräuchlicher Verwendung geschützt ist, nicht das Produkt selbst vor „unsachgemäßer“ Verwendung und Darstellung derselben. Vielleicht wäre da einmal ein Musterurteil eine ganz gute Sache. Die Briefe dieser Herstellerfirma gehen schon seit einiger Zeit durch das Internet, aber bisher haben immer alle klein beigegeben, weil sie das Prozessrisiko und die Kosten gescheut haben. Eine politische Partei hätte da m.E. ganz gute Karten, um es auf ein solches Verfahren ankommen zu lassen.

    Es gibt noch ganz andere Blüten in diese Richtung. So habe ich vor einiger Zeit gelesen, daß z.B. in den USA ein Hersteller hässlicher Kult-Handtaschen gegen eine Filmgesellschaft geklagt hat, weil die Protagonistin des Filmes mit einer solchen Handtasche (bzw. den asiatischen Nachbau derselben) auf der Leinwand zu sehen war. Wenn man diesen Gedanken konsequent zuende denkt, wären faktisch keine Filme mehr möglich. Selbst das Land Berlin könnte dann irgendwann klagen, wenn das Brandenburger Tor im Hintergrund zu sehen ist.

    Nun ist es aber so, daß in diesem Falle ja gar keine entsprechende Aktivität von Seiten der Piratenpartei vorlag. Die eMail des Herstellers fällt also daher in die Kategorie „fristlos, formlos, fruchtlos“. Man bräuchte darauf im Grunde nicht zu reagieren, man könnte aber durchaus auch einen Rechtsanwalt eine Abmahnung schreiben lassen, damit die Herstellerfirma zukünftig solche Belästigungen unterlässt. Oder aber man legt sich mit dem Hersteller RICHTIG an und produziert – nun gerade – einen Wahlwerbespot unter Verwendung dieser Figuren, in der Erwartung, daß es zum Rechtsstreit kommt, den man dann – eventuell bis hin zum europäischen Gerichtshof – durchzieht.

    Es ist ziemlich bezeichnend, daß die Herstellerfirma „nur die Kleinen“ angreift, und sich an Harald Schmid und Oliver Pocher nicht herantraut. Sie wissen wohl ganz genau, daß sie vor Gericht schlechte Karten hätten.

  3. Pingback: Playmobilgate : Burks' Blog

  4. Sebastian schreibt:

    Zum letzten Punkt.. Nicht der Kartoffelbauer, aber der Saatguthersteller. Siehe dazu den Disput um Lind: http://de.wikipedia.org/wiki/Linda_(Kartoffel)

  5. tinyentropy schreibt:

    Hmm, ich verstehe den Hersteller, aber ich denke, dass er im Unrecht ist, Er mag sich zwar beschweren, aber mehr auch nicht. Ein Gericht könnte aber urteilen, dass hier bewusst auch mit dem Image der Marke Playmobil gespielt wird. Das ist der Knackpunkt. Wenn hingegen klar gemacht werden kann, dass die Aussagen der Bilder nichts mit der Marke Playmobil zu tun haben, sollte der Hersteller Schwierigkeiten haben zu argumentieren. So meine Laienmeinung.

  6. letterkerl schreibt:

    Dass du einen 74er Passat fährst macht dich sympathisch 😛

    (Und Playmobil habe ich auch als Kind nicht gemocht)

  7. AluBox schreibt:

    Es wird sowas von Zeit endlich klare Strukturen in diesen undurchsichtigen Rechtsapparat zu bringen… und auch mit diesem Anliegen wird klar, dass schnell Lösungen auf den Tisch müssen !

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