Gegen Rechts! – Aber bitte wie?!?

Nun gut, es gibt in der Piratenpartei auch Rechte. Irgendwie sind wir voll dagegen, haben aber keine Konzepte wie und wo und jeder tut irgendetwas, von dem er meint, es hätte einen guten Zweck. Bloß „Gut gemeint“ ist selten „gut gemacht“. Deswegen möchte ich in mit diesem Blogpost das Problem „rechts“, was die Medien und Altparteien derzeit an uns Piraten so sehr auslassen, angehen.

Persönlich habe ich mich schon für die Deeskalation eines Falls stark angreifen lassen müssen. Selbst eine postalische Drohung „Die ANTIFA kennt auch dich genau!“ war im Postkasten. Mir ist es also egal, welchen medialen Staub ich hier und jetzt aufwirbel. Auch mit einer Stauballergie kann man sich an Hausstaub gewöhnen, nennt sich unter Medizinern „Desensibilisierung“.

Zu allererst muss ich mich natürlich rituell klar dazu äußern, dass ich weder Rechts bin, Rechts war, rechts denke, rechts und links für austauschbar halte oder rechte Thesen in Schutz nehmen will. Nein. Ich will diese Thesen angreifen, rechtes Gedankentum endgültig aus der Gesellschaft bannen! Sonst würde ich hier nicht schreiben. Aber allein, dass diese rituelle Klarstellung sein muss, ist jedoch schon Ausdruck der Situation wie verklemmt und ideologisch verfahren die Debatte um Rechts in Deutschland ist.

Doch was ist dieses Rechts? Wann wird es zum Rechts-Extremismus und was davon lehnen wir ab? Beides? Rechts oder nur den Rechtsextremismus? Solche Fragen bleiben in vielen der Shitstormigen Wutausbrüche, wie auf Twitter, Mailinglisten oder wie in Blogposts vollkommen unbeantwortet. Selbst Mitglieder des Bundesvorstandes bringen nicht die notwendige Selbstreflektion mit und posten auf Ihren Blogs Sammlungen von „Kraftausdrücken gegen Rechts“, die man in der Kommentarspalte mit seinem Namen auch noch bitte aufwerten soll. Sorry Marina, es mag gut gemeint gewesen sein – war aber weit weg von gut gemacht.

Für mich ist das „Rechte“ ein weites Feld. Es fängt eigentlich gleich hinter dem Konservatismus an. In Deutschland ist sogar ein Teilbereich des Konservatismus, der sich dafür einsetzt, alte, bewährte Strukturen zu belassen, aufgrund historischer Gegebenheiten auch schon dem rechten Spektrum zuzuordnen. Aussagen wie „früher war alles besser…“ sind je nach zeitlichem Zusammenhang eigentlich schon hinter der Grenze, ab der man anfängt, …

Wenn man diese Auslegung jedoch mit der politischen Realität abgleicht, dann muss man feststellen, dass ein Drittel der Volksvertreter im Bundestag rein nach der Parteizugehörigkeit rechtes Gedankengut vertreten – oder so undifferenziert wie die Diskussion derzeit in den Massenmedien und im Netz abläuft – „Nazis“ sind. In 140 Zeichen auf Twitter könnte man also festhalten: „Merkel ist Chefin einer Nazi-geführten Regierung.“ Ich pflege also extreme Zweifel, ob in solchen Fragen die sogenannte „Schwarmintellgenz“ nicht vielleicht manchmal doch zu einer absolutistischen, verrohten „Schwarmdummheit“ verkommt. Einer Schwarmdummheit, bei der es jeder noch mal „diesem rechten Dreckskerl“ so richtig zeigen kann und dabei sowas wie „virtuelles Nachtreten“ bzw. „Socialmedia-Leichenschändung“ begeht.

Etablierte Parteien wie die SPD, die Grünen oder die Linke scheuen natürlich einen richtigen Angriff auf Rechts – und tragen damit natürlich dazu bei, dass rechtes Gedankentum in unserer Gesellschaft florieren kann. Und im Volke tut Selbsterkenntnis weh, auch hier ist eigentlich keine Bewegung möglich. Daher existiert derzeit die bequeme Situation, dass es ein Tabuthema ist. Ein Tabuthema bei dem man sich nur mit rhetorischer Betroffenheit und nie mit Kritik am Tubu oder an dem gesellschaftlichen Zustand äußern sollte. Rechtsextremisten gibt es ja nicht in der Gesellschaft, so die landläufige Meinung, es gibt sie nur am Rande der Gesellschaft, gesammelt in der NPD oder DVU. NUR DORT sind diese „Neo- und Alt-Nazis“ *Fingerzeig*. Es sind „unantastbare“ Personen – und wer nur genug Abstand hält, der wird nie Rechts oder Rechtsextremist sein, so zumindest das einfache Weltbild. Und dieses einfache Weltbild beinhaltet auch, dass nur Nazis „Rechte“ sind.

Für Personen, die um Wählerstimmen buhlen müssen, ist Gesellschaftskritik keine Option – und damit wird die rechte Flanke dem Verfassungsschutz überlassen. Das ist politisch einfach und gesellschaftlich bequem. Der Verfassungsschutz soll entlang willkürlich definierter Tatbestände, wie etwa gewisser Äußerungen oder Darstellungen, Verfassungsfeinde aufspüren und bekämpfen. Ob er dabei selbst zum Handlanger der Rechten wird, ist in der Politik, in der etablierte Parteien den Ton angeben, nur Thema wenn die Türen von Untersuchungsausschüssen zu sind.

Doch damit lässt sich Rechtes Gedankengut – oder auch Rechtsextremismus nicht wirklich bekämpfen. Weder wirksam, bestimmt nicht effizient, eigentlich gar nicht. Aufgrund des Scheiterns der aktuellen „Anti-rechts-Politik“, gibt es inzwischen sogar (wieder) Rechts-Terror in Deutschland. Und ich bin mir nicht sicher, was danach kommen kann, wenn es nicht endlich wirksame Maßnahmen dagegen gibt, die AB der Mitte der Gesellschaft wirken. Vielleicht Rechts-Putsche, Rechts-Regierungen, Rechts-Verfolgungen, Rechts-Hinrichtungen? – nicht vergessen, das gab es schon mal!!! Und ich bin mir nicht sicher, wie lange das die etablierten Parteien mit scheiternden Symbolverboten einer Partei, der NPD, zu bekämpfen glauben. Zwar ist das NPD-Verbot längst überfällig – aber es wird nicht ausreichen!

Ich will mal verdeutlichen wie weit dieses rechte Gedankengut schon in der Gesellschaft angekommen ist – und woran ein NPD-Verbot gar nichts ändern wird:

Ich war eine Zeit lang in einem Eisenbahnmuseum aktiv. Ein gleichaltriger mit Ostdeutsch-stämmigen Wurzeln pflegte damals beim Bier immer wieder zu betonen, dass er gerne bereit sei, freiwillig den Gleisanschluss des KZ Dachau zu reaktivieren. Ein selbsständiger Maschienenschlossermeister mit Verantwortung für eine größere Maschiene, stieß oft ins gleiche Horn und erzählte gerne breit und offen, wie man dies und jenes am besten gegen den Diebstahl von „Kanacken“ sichert. Und ein damaliger Beisitzer im Vereinsvorstand, Mitarbeiter bei der DB Energie, reichte öfter mal Fotos von irgendwelchen Mardern und anderen Tieren rum, die beim krabbeln über Isolatoren eben ihr Ende gefunden hatten. Je nach Weldbild ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier für manche nicht besonders groß. Offiziell war das Material aber für „Sicherheitsschulungen“ da. Alternativ kann ich mich auch noch über die Geschichte von einem Ausländer erinnern, den er mal in einer Rauchkammer einen halben Tag eingesperrt haben will, da dieser vom benachbarten Asylbewerberheim unbefugt das Grundstück betreten hätte. Nein, nicht alle Dampflokbastler sind rechts, aber die Schnittmenge in solchen Vereinen erscheint mir sehr hoch.

Ein ganz anderes Beispiel durfte ich wärend meiner Zeit als Ministrant in Holzkirchen erleben. Viel viel subtiler, versteckter – aber dafür schon unter „Kindern“: Die „Neger“-Rolle, also den dunklen von den drei heiligen Königen beim Sternsingen zu spielen, blieb erfahrungsgemäß immer an denen hängen, die auch schon in der Schule und in anderen Gruppen eher Außenseiter waren – genau so wie das tragen der Säcke voll Schokolade, von denen derjenige selbst am wenigsten abbekam.

Dass ich über Burschenschaften, Veteranen-, Traditions- bzw. Trachtenvereine, welche hier in Bayern sehr weit verbreitet und zum Großteil steuerlich begünstigt sind, nichts sagen kann, ist auch ein Zeugnis davon, dass es hier eine weite Verbreitung rechten Gedankenguts geben muss. Die wenigen Versuche, die ich unternommen habe um „reinzukommen“ endetem stets mit dem Gefühl, nur Notfalls respektiert zu werden. Es gibt quasi einen „innerdeutschen Fremdenhass“ gegen sogenannte „Zugereißte“, „Sau-Preußen“ und wie man diese Familien mit nicht mindestens 100-jährigem Stammbaumnachweis und etwas unsauberer Mundart hier betitelt.

Es darf einen natürlich nicht wundern, wenn eine Sammlung von Gegenständen der Industrialisierung, die historisch unglücklicherweise gerade ihren Höhepunkt wärend dem 2.ten Weltkrieg erreichte, solche Leute anzieht. Oder die Bewahrung der Erinnerung an die „gute Zeit“, als jeder Arbeit hatte. Aber jeder hat sein Weltbild irgendwann mal erworben, sei es durch Erfahrungen oder ein Umfeld, und dann in der Regel gefestigt. Deswegen ist es um so gravierender, wenn eine intuitive Ablehnung von „Schwarzen“ schon bei 4. 5. und 6.-Klässlern festgestellt werden kann.

Ja liebe Altparteien, dieses rechte Gedankengut ist mitten in der Gesellschaft. Natürlich ist es damit auch mitten unter den Mitgliedern tausender Vereine, Organisationen und auch Parteien, sowohl bei Euch als auch bei uns. Ich denke, dass Ihr Euch auch nicht selbst anlügt, und wenigstens hinter verschlossenen Türen dieses Problem erkannt habt. Ja es ist meines Erachtens ein Problem. Eins, für dass mir keine Lösung bekannt ist. Wie bekommt man dieses Gedankengut wieder aus der Gesellschaft raus? Es ist ja nicht so, als ob man bei den Piraten keinen Willen erkennen könnte, dieses Problem zu lösen. Jeder Shitstorm ist eine Bekräftigung dessen, auch wenn eine sehr zahnlose. Auch unsere 10%-Idioten-Sprüche kann man als von solchen gemacht verbuchen, denn herunterspielen und ablenken ist definitiv als Lösungsstrategie von vornherein zum scheitern verurteilt. Aber vielleicht könnt Ihr uns ja erklären wie Ihr mit „Rechten“ umgeht. Vielleicht habt Ihr ein konkretes Rezept, dass funktioniert. Etwas, das bereits validiert wurde.

Ich war damals im Vorstand vom Bezirksverband Oberbayern der Piratenpartei. Damals, als man plötzlich von dritter Seite einen Piraten, den man kannte und von dem im Gegensatz zu manchen Mitgliedern konservativer Vereine, nie offene, rechte Äußerungen gekommen waren, als ehemaligen NPD-Funktionär vorgestellt bekam. Ich hätte da ganz gerne ein „Patentrezept“ gehabt. Was tut man dann? Die Person verbal anzugreifen bzw. zu „shitstormen“ bringt doch auch nichts. Meine ersten Gedanken waren: „Wie kann man so jemanden nur die Hand ein zweites mal geben?“. Vielleicht hat diese sehr enttäuschte, wütende Reaktion auch ihre Wurzeln in der Hilflosigkeit, wenn man in einer solchen Situation steckt. Innerlich war ich auf jeden Fall extrem gefrustet – vielleicht habe ich mich sogar vor mir selbst geekelt, weil ich von diesem Piraten ein ganz anderes Bild hatte und mir selbst vorwarf, für Rechts anfällig gewesen zu sein. Ich habe rund einen halben Tag gebraucht, um überhaupt den Gedanken ins Auge zu fassen, dass es einerseits um einen Menschen geht, mit dem man andererseits dann politisch divergierende Vorstellungen hat, was jedoch den Respekt und die Würde, die man jeder Person entgegenbringen sollte, meines Erachtens nicht beeinträchtigen darf. Ein Mensch, hat auch dann noch eine Würde, wenn er Fehler, selbst wenn er allergröbste Fehler begangen hat. Kirchen würden hier vermutlich mit der Befreiungslehre anknüpfen, also mit dem ewig verzeihenden Gott, ich tat es damals mit 2 Grundsätzen: Erstens steht das mit der Würde so im Grundgesetz, und wenn man dass außer acht lässt, würde man den „Rechten“ ja in die Hände spielen. Rechte Ideologien zielen nämlich genau auf die Ungleichwürdigung verschiedener Menschen ab. Zweitens: Es wird viel Mist erzählt, also persönliches Gespräch abwarten, bevor im Shitstorm mitgespielt wird – Juristen würden hier mit Unschuldsvermutungen usw. argumentieren. Es gibt also viele Gründe, nicht gleich in „Distanzierungspanik“ zu geraten. Schade ist deshalb auch, dass jemand, der seinen Blog mit den Worten „Gelassenheit“ und „Kompetenz“ betitelt, hier insbesondere das erstere vermissen lies.

Hier mit der entsprechenden Gelassenheit zu reagieren hat sich aber gelohnt. Der gefragte Pirat, hat neben einem sofortigen Rücktritt offen und ehrlich die offenen Fragen erläutert und damit mir eigentlich erst die Augen für das Thema „Rechtsextremismus“ geöffnet. Ich denke es könnte in der gesamten Diskussion helfen, wenn ich dass versuche wiederzugeben:

Er schilderte, dass er auf Suche war. Auf der Suche nach einem „Meinungsanbieter“ aka Partei. Eine Partei, die auf bestimmte Fragen Antworten hatte. Leider hat er keine Antworten von Parteien bekommen, sei es, weil es damals unüblich war, das Wähler mittels E-Mail Parteien oder Politiker zu erreichen versuchten, oder sei es, weil das Große und Ganze keine Antworten im kleinen zuließ und die dadurch ausgestrahlte Arroganz gegenüber jungen Wählern abschreckend war. Einzig und allein die NPD hat sich seiner Schilderung zufolge zurückgemeldet – mit einem Gesprächsangebot. Das Gesprächsangebot war der Einstieg in ein gezielt aufgebautes Vertrauensverhältnis. Und die Antworten der NPD auf die Fragen, auch auf die Kritischen darunter, sollen fernab von Haß auf Ausländer, Juden oder sonst irgendwen gewesen sein. Die Antworten auf direktes Nachfragen solcher Themen sollen sogar ertaunlich distanzierend gewesen sein, zum Beispiel, dass es derzeit dringendere Probleme wie Ausländer gäbe, etwa die Sozialpolitik. Die am Machterhalt interessierten anderen Parteien, die damit verknüpften Medien und all die darauf aufbauende Lobby hätte aber kein Interesse, beispielsweise an einer wirklich gerechten sozialen Sozialpolitik, so die NPDler. Deswegen würde die NPD immer nur auf Ihre Gründungsmitglieder – unbestrittenerweise ideologische Nationsozialisten – in der Öffentlichkeit reduziert. Damit entstünde ein „Distanzierungsklima“ in der Bevölkerung, das gute Politik nur verhindere.

Und ja, ich kann das nachvollziehen, auch wenn ich wenig Sympathie für solche Verschwörungstheorien pflege. Eine Verschwörungstheorie, in der der Betroffene das unterlegene Opfer ist, bewerten viele, bei einigermaßen authentischer Vortragsweise durch das vermeintliche Opfer deutlich höher. Höher als beispielsweise eine offizielle Verlautbarung eines Verfassungsschutzes, dass die NPD verfassungsfeindlich sei (vor allem vor den aktuellen Ereignissen kann man den Verfassungschutz leider auch als normaler Bürger nicht mehr ernst nehmen). Oder höher als die gespielt wirkende Empörung von SPD, Grünen oder CD/SU in Pressemitteilungen, wenn sie nichtmal auf Bürgerfragen per E-Mail antworten.

Inzwischen bin ich sogar stolz auf diesen Piraten und schäme mich für meine Empfindungen der ersten Stunden, nachdem ich seine politische Vergangenheit erfahren habe, seien es Scham, Ekel oder Selbstärgerniss gewesen. Der Pirat hat es nicht nur geschafft, selbst auszusteigen und loszukommen, die aggresive Öffentlichkeit zu überstehen, sondern er geht weiter. Er engagiert sich in der Piratenpartei gegen Rechts – und mit seiner Erfahrung sogar in einem eigens gegründetem Verein für Aussteiger sogar gesellschaftlich. Diese Person medial, also in einem Shitstorm, zu verbrennen, wäre ein absoluter Verlust für die Gesellschaft gewesen. Um so mehr ägert es mich, dass Rundfunkanstallten wie der BR in seinem „Funkstreifzug“ ähnlich wie ein Blockwart für politische Moral die verbale Hand heben um damit wild auf Piraten zu zeigen. Bedauernswert ist auch, dass diese Blockwartsendung auf seinem „Streifzug“ so herrlich pauschal an der der Oberfläche bleibt. Das hat aber auch mit der bisherigen gesellschaftlichen Handhabe zu tun. Rechts, dass sind immer diese anderen, die man bestenfalls „mal gesehen hat“, aber die es „hier ja sowieso nicht gibt… *heileWeltGeschwafel*“.

Natürlich ist der Fall aus Freising ein Beispiel, wo aller Alarmismus total unangebracht war. Und natürlich mag es andere Beispiele geben. In anderen Beispielen mag Alarmismus auch angebracht gewesen sein.

Ich kenne Kevin nicht persönlich, aber was man so nach seinem Rücktritt und den ganzen Shitstorm noch medial rund um ihn gehöhrt hat, lässt mich fragen, ob unser Umgang mit dem Menschen „Kevin“ überhaupt zu unserem Menschenbild passt. Ich hatte dass Gefühl, dass der Social-Voyeurismus aus meiner technikdominierten Timeline schnell eine Anti-Nazi-Nazi-Timeline gemacht hat. Also fast so, als ob jeder zu menschenverachtendem Verhalten aus gesellschaftlicher Norm gezwungen wäre, wenn es irgendwo einen mutmaßlichen „Nazi“ gibt. Das Ergebnis dieses tollen Social-Voyeurismus lässt sich sehen: Frau mit Kind weg, Parteifreunde weg, soziales Umfeld weg und Job weg. Und nachdem jeder alles nochmal gesagt hatte, interessiert sich keiner mehr dafür. Weder für den Mensch, noch für seine ggf. vorhandenen Erkenntnisse hinsichtlich seiner Äußerungen. Liebe Netzgemeinde: Wie findet jemand aus dieser Situation zurück in die Gesellschaft? Wollen wir überhaupt Personen mit solchen Äußerungen zurücklassen oder sind wir ernsthaft der Meinung, dass 2 Tage trending von #kevingate das Problem in der Gesellschaft löst? Ohne die Äußerungen Kevins in Schutz nehmen zu wollen, die Kritik an dem konkreten Tweet war schon nach einer halben Stunde nicht mehr das Thema. Und nein, ich möchte nicht über Kevin ein Remote-Urteil fällen, das haben schon zu viele, zu schnell und oft zu undifferenziert getan. Mein Urteil fällt über den verantwortlichen Bundesvorstand, dne verantwortlichen Landesvorstand und die Voyeuristen der Netzgemeinde: Schämt Euch! Andere haben die Aussagen von Kevin untersucht und zerlegt – und meinen, dass Israelkritik das Einstiegstor in die Rechte Ecke sein kann. Israel macht es einem aber auch nicht gerade leicht, es nicht zu kritisieren, was jedoch keine Rechtfertigung von Judenhass – bzw. „Judenunsympathie an sich“ sein und werden darf.

Auch ein Münchner Pirat, der unlängst zum Leiter der Geschäftsstelle ernannt wurde, wird gerne in der Diskussion in einem Aufwasch in die rechte Ecke zu den anderen Piraten gestellt. Dabei wird oft seine religiöse Zugehörigkeit vergessen – insofern ist eine pauschale Zusammenfassung mit Ex-NPDlern oder Judenhassern inhaltlich komplett verkehrt. Ich gehe hier von einer Erziehung und Prägung aus, die von so etwas wie Existenzangst einiger Vorgängergenerationen vermittelt und übertragen wurde. Und Existenzangst treibt fast immer sehr radikale Blüten. Trotzdem ist das in unserer freiheitlichen Gesellschaft nicht zu tolerieren, dass so erzogen wird und dass entsprechendes Gedankengut an die nächsten Generationen kommuniziert wird. Vor diesem Hintergrund muss sich auch diese Glaubensgemeinschaft fragen lassen, wie viele Symbole und Gedenkstätten es braucht und wie diese in der Jugendarbeit eingesetzt werden – bzw. wie nicht. Ich bin nicht der Meinung, dass man alles was in der Deutschen Geschichte vorgefallen ist, vergessen darf. Nein, vergessen ist schlimm und wäre auch nicht sinnvoll. Aber wie lebendig muss man die Erinnerung an Konzentrationslager wachhalten? Muss es so weit gehen, dass man es „nachfühlen“ kann? Kann eine zu wache Erinnerung auch zu einer Überbewertung und Falscheinschätzung führen? Zumindest bei Einzelnen? Wie geht man mit den resultierenden Äußerungen um, also wenn es Ängste gibt und diese zusammen mit Alkohol oder anderen Konsummitteln sich zu einer Atombombenforderung zusammenmixen? Ausgrenzung aus Politik und Gesellschaft? Also Opferskinder wieder zu Opfern machen? Auch wenn ich ihn persönlich kenne, will ich, aufgrund meiner vermutlich komplett anderen Erziehung, Prägung und Festigung nicht darüber urteilen, ob das aus seiner Sicht richtig oder verkehrt ist/war, sowas zu twittern. Ist auch nicht die Frage – denn in Deutschland haben zionistische Töne eigentlich nichts verloren. Genausowenig wie die Töne anderer religiöser Gruppierungen, die ihre jeweilige Heilige Schrift wortgetreu auslegen und Gewaltapelle herauslesen. Ganz egal ob Juden, Christen, die ein sehr radikales Altes Thestament kennen oder Moslems, die ihre religiöse Grundordnung durch drakonische Strafen wie Körperteile abhacken und Steinigungen festigen wollen.

Ja jetzt sind die Piraten da. Der Umgang mit den Thema ist definitiv nicht souverän. Keine Frage. Aber wie sehen Lösungen aus? Ich fordere Euch, SPD, Grüne, Linke, FDP und CD/SU hiermit auf, Eure Erfahrungen zu teilen. Öffentlich. Und öffentlich darüber zu diskutieren. Wenn es Euch wirklich ernst ist, um eine Lösung der Fragen um Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierungen, Judenhass, Diskriminierungen aufgrund der Herkunft und alles was sich sonst noch als Rechtsextremismus beschreiben lässt, dann hört auf, Pressemitteilungen über Piraten und deren Mitglieder oder Funktionsträger zu machen und macht Pressemitteilungen, wie man am besten mit Rechten umgeht. Vergesst dabei bitte Eure Werte- und Moralbasis nicht, sei sie christlich, sozial, menschenrechtlich, freiheitlich oder anders gelagert.

Ladet Euch gegenseitig, Vereine, Verbände, Öffentlichkeit und vielleicht auch die Piraten zu runden Tischen ein, an denen Lösungsstrategien offen diskutiert werden. Auch, wo es sich lohnt, Zeichen zu setzen, und wo dies nur die Träger abseitiger Gedanken in ihrem Tun und Lassen bestärkt. Welche Anti-Rechts-Symbole können in Taten umgewandelt werden? Wie soll man menschlich mit Vereins- und Arbeitskollegen umgehen, die sich wie oben aufgeführt äußern? Ich wusste auch nicht mehr, wie den Raum zu verlassen und damit wegzusehen und wegzuhören. Was wäre die Lösung gewesen? Gibt es überhaupt DIE LÖSUNG ™?

Es sollte in der Diskussion um eine oder viele Lösungsstrategie(en) keine Tabus geben, außer eben solche Methoden anzuwenden, wie sie die letzten Nationalsozialisten praktizierten. Wir könnten uns fernab von Parteilinien und Ideologien auch darüber unterhalten, ob durch weniger Transparenz in der Personmaschiene einer Partei die durchrutschenden Rechten gebremst werden könnten – und damit stände auch ein Thema zur Disposition, dass den Piraten sehr am Herzen liegt. Vielleicht hilft hier aber auch mehr Transparenz, da dann das Wahlverhalten der Wahlmannschaft – egal ob Deligierte oder Mitglieder – sich verändern müsste, wenn dies keine Rechten sind. In diesem Fall müsstet Ihr, liebe Altparteien, Eure Strategien anpassen. Zählen soll am Ende nur, was wirklich hilft. Und ergriffene Maßnahmen müssen natürlich geprüft werden. Geprüft, ob sie wirklich wirksam sind und ob sie nicht andere Nebenwirkungen entfallten, die in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft auch keinen Raum bekommen sollten.

Also lasst uns einen „Dialog unter Demokraten“ starten und reden. Es gibt viel aufzuholen und gegenseitiges Fingerzeigen hilft nicht weiter! Es ist einfach FUCKING STUPID!!!

PS: Wer ähnlicher Ansicht ist, darf diesen Aufruf verbreiten, der Presse weitergeben, voll oder teilweise abdrucken (bitte Quellenlink), zitieren, weiterentwickeln, usw…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Piratenpartei, Politik, Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Gegen Rechts! – Aber bitte wie?!?

  1. Lars! schreibt:

    Das deine Kollegen gerne tote Tiere sehen hat eher was mit Neugier bzw. Sensationsgeilheit zu tun. Dewegen würde ich sie noch nicht verurteilen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s